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4 November 2021

Video. Text. Bild. 5 Tipps für Ihren perfekten Erklärfilm

Haben Sie Sich schon einmal gefragt, warum Erklärvideos eigentlich so effektiv sind? Die Psychologie liefert uns hierfür ganz einfache Erklärungen.

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Haben Sie Sich schon einmal gefragt, warum Erklärvideos eigentlich so effektiv sind? Was steckt hinter dem Begriff „duale Kodierung“? Und wie kann uns die Psychologie bei der Gestaltung von Erklärvideos weiterhelfen? Mit diesen psychologischen Hacks erstellen Sie ganz einfach ein erfolgreiches Erklärvideo.


Das Lernen und Darstellen von Inhalten mit Multimedia eröffnet ganz (nun aber durch die stark fortgeschrittene Digitalisierung nicht mehr wirklich) neue Möglichkeiten. Das grundlegende Prinzip hierbei ist, dass

Sachverhalte gleichzeitig in Worten und Bildern

dargestellt werden, was zu einem

tieferen Lerneffekt

führt. Aber warum ist das so und wie kann man diese Tatsache für die Gestaltung von Erklärvideos nutzen? Um uns langsam an diese Frage heranzutasten, müssen wir zuerst verstehen, wie Informationen aufgenommen, verarbeitet und gespeichert werden.

Der Aufbau des Gedächtnisses

Unser Gedächtnis gliedert sich in drei Teile: den

sensorischen Speicher

, das

Arbeitsgedächtnis

und das

Langzeitgedächtnis

. Der sensorische Speicher wird oftmals auch als „Ultra-Kurzzeitgedächtnis“ bezeichnet, da Reize hier nur wenige Sekunden repräsentiert werden. Im Arbeitsgedächtnis finden alle

Denkprozesse

statt, es werden sowohl neue Informationen verarbeitet und gegebenenfalls in das Langzeitgedächtnis weitergeleitet, als auch Informationen aus dem Langzeitgedächtnis abgerufen. Im Langzeitgedächtnis wiederum ist all unser Wissen in Strukturen gespeichert, die man sich als Netzwerk vorstellen kann. Verwandte Informationen sind somit dort miteinander verbunden.

Um letztendlich im Langzeitgedächtnis gespeichert zu werden, durchlaufen Informationen verschiedene Stadien des Gedächtnisses.

Das Ziel jedes Erklärvideos sollte es sein, dass die vermittelten Inhalte im Langzeitgedächtnis gespeichert werden. Hierfür müssen die Informationen aber zuerst den sensorischen Speicher und das Arbeitsgedächtnis durchlaufen. Wie kann man sich diesen Prozess vorstellen?

Der Prozess des Lernens

Der sensorische Speicher – Aufmerksamkeit gewinnen

Der sensorische Speicher ist sozusagen der Adapter zwischen der Informationsflut, die unsere Sinnesorgane durchschwemmt und unserem Gedächtnis. Die Informationen werden nur etwa zwei Sekunden im sensorischen Speicher festgehalten, in dem sie kurz nachhallen. Wenn wir den Informationen Aufmerksamkeit schenken, dann werden sie ins Arbeitsgedächtnis weitergeleitet, wo sie verarbeitet werden. Der Rest der Informationen verfällt. Jede*r kennt die Situation, wenn man im Unterricht zuhört und versucht mitzuschreiben.  Man wiederholt im Kopf das Gehörte wie in einem Echo, damit man es nicht vergisst. Wird man kurz abgelenkt, geht die Information verloren.

Unser erstes Learning für Erklärvideos ist also, dass man es schaffen muss, die

Aufmerksamkeit

der Rezipient*innen zu gewinnen. Eine gute Methode kann z.B. sein, eine Aussicht darauf zu geben, welches Wissen oder welche neuen Informationen die Zuschauer*innen am Ende aus dem Video mitnehmen.

Um das Interesse zu binden und die Aufmerksamkeit zu halten, sollten die Informationen, die im Erklärvideo vermittelt werden, nicht einfach nur benannt werden. Damit die Rezipient*innen möglichst viel aus dem Video mitnehmen, sollte der

Kontext angereichert

werden und die Inhalte zum Beispiel in eine Geschichte verpackt, oder an einem Beispiel erklärt werden.

Das Arbeitsgedächtnis – Kapazität optimal nutzen

Im nächsten Schritt werden die Informationen im Arbeitsgedächtnis verarbeitet, wo alle aktiven Denkprozesse stattfinden und die neuen Informationen organisiert und integriert werden. Dafür muss ein Austausch mit dem Langzeitgedächtnis erfolgen. Auch das Arbeitsgedächtnis hat aber eine

begrenzte Kapazität

und kann nicht unendlich viele Informationen gleichzeitig verarbeiten. Dieser Punkt ist sehr wichtig, da in vielen Erklärvideos der Fehler gemacht wird, dass zu viele Informationen in zu kurzer Zeit präsentiert werden und die Zuschauer*innen dadurch überfordert werden. Dem kann man durch einen einfachen Trick vorbeugen.

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Die Informationen, die in einem Video präsentiert werden, können entweder

visuell oder verbal „kodiert“

sein, das heißt die Information wird entweder „gesehen“ oder „gehört“. Um das Arbeitsgedächtnis nicht zu überlasten, gibt es hier einen Trick: die beiden Codes optimal nutzen. Und jetzt kommen wir unserer anfänglichen Frage schon näher: was nützt uns Multimedia beim Lernen? Wir alle können uns wahrscheinlich an mehr schlechte Powerpoint-Präsentationen erinnern, als uns lieb ist: Die Referent*innen packen viel zu viel Text auf die Folien, den sie gleichzeitig auch vortragen. Wie viel davon bleibt bei uns hängen? Fast nichts.

Effizienter ist es, den Text nur zu sprechen und ihn durch Bilder zu untermauern. Am besten ist es also, wenn

Sprache nicht visuell (als Text), sondern auditiv

(gesprochen)

verarbeitet wird, weil dann andere Kanäle zur parallelen Verarbeitung zur Verfügung stehen. In diesem Fall, wenn also eine Information “dual kodiert“ wird, können wir die Information sowohl visuell, als auch auditiv aufnehmen, was zu einer tieferen Verarbeitung führt. Eine tiefere Verarbeitung führt wiederum dazu, dass die Information mit größerer Wahrscheinlichkeit ins Langzeitgedächtnis aufgenommen wird.
Dieses Prinzip kann man sich bei Erklärvideos zunutze machen.

Durch die

bildliche Darstellung

von Prozessen, Zusammenhängen oder Wirkmechanismen, die gleichzeitig durch die sprechende Person erklärt werden, werden die Modalitäten des Sehens und Hörens optimal genutzt („Modalitätseffekt“). Dabei ist es egal, ob es sich um einen Werbefilm oder einen Mathematik-Kurs handelt. Dieses psychologische Prinzip ist auf jede Art von Erklärvideo anwendbar.

Einzelne Beschriftungen können das Video übersichtlicher machen. Aber auch hier gilt das Prinzip: nicht mehr als nötig.

Außerdem sollte die

Videogestaltung recht simpel

gehalten werden, denn jedes unnötige Detail kostet Aufmerksamkeit und Kapazität des Arbeitsgedächtnisses, die wiederum für die Verarbeitung der zentralen Message fehlt („Kohärenzprinzip“). Genau diese simple Gestaltung ist eine der Charakteristiken von guten Erklärvideos, was in verschiedenen Videostilen umgesetzt werden kann.

Das Langzeitgedächtnis - Zuschneidern des Erklärvideos auf die Zielgruppe

Nun kommen wir zum letzten Schritt: Wie sorgen wir dafür, dass die nun verarbeiteten Informationen auch ins Langzeitgedächtnis überführt werden? Das Speichern von Informationen nennt man

„Enkodierung“.

Auch hierfür schafft Aufmerksamkeit eine wichtige Grundlage. Aber wie können wir noch beeinflussen, dass die zentrale Message eines Erklärvideos langfristig gespeichert wird?

Wir können unseren Rezipient*innen zum Beispiel dabei helfen, die neu gelernten Inhalte mit bereits im Langzeitgedächtnis vorhandenen Informationen zu verknüpfen. Das nennt man

„Reichhaltigkeit der Enkodierung“.

Wenn wir wissen, welches Vorwissen unsere Rezipient*innen bereits besitzen, können wir darauf aufbauen. So haben unsere Zuschauer*innen die Möglichkeit, das neu gelernte Wissen mit bereits vorhandenem Wissen zu verbinden.

Definieren Sie Ihre Zielgruppe und passen Sie die Inhalte auf sie an, damit diese das Langzeitgedächtnis erreichen und Sie nachhaltig Wissen vermitteln können.

Daher ist es wichtig, genau zu wissen, für welche Zielgruppe das Erklärvideo vorgesehen ist. Möchten wir beispielsweise die Funktionsweise einer Mikrowelle erklären, ist es für Laien ausreichend zu wissen, welche Knöpfe man für welche Funktion drücken muss. Ist das Erklärvideo an Physik-Studierende gerichtet, sind natürlich ganz andere Informationen interessant, die viel mehr in die Tiefe gehen. Mit unnötigen Informationen überlasten und überfordern wir unsere Zielgruppe. Deswegen: keep it simple!

Take home message

Folgende Tipps können wir also für die Gestaltung unseres Erklärvideos mitnehmen:
  • Anpassung an die Zielgruppe:

    Finden Sie heraus, welches Vorwissen Ihre Zielgruppe bereits besitzt und bauen Sie in Ihrem Erklärvideo darauf auf. Das hilft Ihren Zuschauer*innen dabei, die neuen Informationen langfristig zu behalten.
  • Aufmerksamkeit gewinnen und binden:

    Geben Sie Ihren Zuschauer*innen einen guten Grund, in dem Erklärvideo bei der Sache zu sein. Andernfalls werden die Inhalte Ihres Erklärfilms in der Masse an Informationen untergehen, die täglich auf uns einströmen.
  • Text sprechen statt zeigen:

    Um die Kapazität des Arbeitsgedächtnisses optimal auszuschöpfen, verzichten Sie auf Text im Video. Besser ist es, den Text zu sprechen und ihn mit Bildern zu untermauern.
  • So wenige Details wie nötig:

    Damit Ihre Zuschauer*innen nicht mit unnötigen Informationen überfordert werden, die das Arbeitsgedächtnis überlasten können, konzentrieren Sie Sich auf die zentralen Informationen und verzichten Sie auf Details.
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